Die verschiedenen Möglichkeiten der Nachfolgereglung

Das Finden eines passenden Nachfolgers für Ihr Unternehmen ist ein emotionaler und anspruchsvoller Prozess. Setzen Sie sich zum ersten Mal mit dem Thema der Firmenabgabe auseinander, kann Sie die Flut von Informationen rasch überwältigen.

Um Ihnen einen Überblick zu schaffen, stellen wir Ihnen in diesem Beitrag die 4 grundlegenden Formen der Betriebsübergabe vor. Sie werden erfahren, welche Besonderheiten jede Variante der Nachfolgeregelung hat und mit welchen Herausforderungen Sie rechnen müssen. So können Sie sich ein erstes Bild darüber machen, welche Optionen für Sie passend sind!

Die 4 Optionen der Nachfolgeregelung im Überblick

  1. Familieninterne Nachfolgeregelung
  2. Betriebsinterne Nachfolgeregelung
  3. Betriebsexterne Nachfolgeregelung
  4. Auflösung der Firma

Wichtig ist, dass pauschale Aussagen zur perfekten Nachfolgeregelung kaum möglich sind. Ihr Unternehmen und Ihre Umstände sind einzigartig und genauso müssen sie eine individuelle Lösung für Ihre Nachfolge finden.

Im Folgenden werden Ihnen die wichtigsten Entscheidungskriterien vorgestellt, die Sie bei der Wahl einer passenden Variante für die Firmenübergabe beachten sollten.

Welche Faktoren berücksichtigt werden müssen zur gelungenen Nachfolgeregelung

  • Persönliche Zielsetzung bei Firmenabgabe
  • Marktpositionierung
  • Marktentwicklung
  • Wettbewerb
  • Unternehmensgröße
  • Anzahl Mitarbeiter und Organisationsstruktur
  • Wert des Unternehmens
  • Rechtsform des Unternehmens
  • Weitere rechtliche und wirtschaftliche Besonderheiten

Machen Sie sich Ihre Ausgangslage vor der Entscheidung für die Firmenabgabe bewusst und behalten Sie besonders Ihre eigenen Wunschvorstellungen im Hinterkopf. Basierend auf Ihren persönlichen Zielen und den unternehmensspezifischen Umständen können Sie sich anschließend für einen passenden Nachfolgeprozess entscheiden.

Option 1: Die familieninterne Nachfolgeregelung

Noch immer ist die Firmenübernahme durch einen Nachkommen, die am häufigsten gewählte Form einer Nachfolgeregelung. Ganze 41 % der Betriebe in der Schweiz werden durch ein Familienmitglied übernommen.[1][2]

Das Unternehmen in die Hände eines vertrauten Familienmitglieds zu geben, stellt für viele Inhaber die wünschenswerteste Variante der Nachfolgeregelung dar. Das Lebenswerk an einen Verwandten zu überreichen, ist zwar eine schöne Vorstellung, doch ist sie nicht für jeden möglich und auch nicht immer die beste Möglichkeit der Geschäftsübergabe.

Als Geschäftsinhaber dürfen Sie bei der Firmenübergabe nicht nur Ihre eigenen Wunschvorstellungen im Auge behalten, sondern müssen dem Wohl des Unternehmens eine hohe Priorität einräumen. Bevor Sie sich für eine familieninterne Nachfolge entscheiden, sollten Sie daher die Vor- und Nachteile der Geschäftsübergabe an ein Familienmitglied genauer unter die Lupe nehmen.

Einige Vorteile für die Betriebsabgabe an ein Nachkommen liegen auf der Hand. Sie können sich beispielsweise den Aufwand und die Mühen sparen, einen externen Kaufinteressenten zu finden, der sich für die Geschäftsführung eignen würde. Ein oftmals anstrengende und aufwändige Alternative.

Stattdessen wird die Firma an eine vertraute Person übergeben und Sie können Ihren Nachfolger eng bei der Firmenübernahme begleiten. Ihr Lebenswerk soll sich nach der Übergabe in den richtigen Händen befinden. Familienmitglieder bringen eine große persönliche Motivation mit sich, dass Familienerbe erfolgreich weiterzuführen.

Der Erfolg einer Firma basiert auch auf der Beziehung des Geschäftsführers zu seinen Mitarbeitern. Bei der Firmenabgabe an einen Nachkommen ist es oft der Fall, dass sich die Loyalität und das Vertrauen der Mitarbeiter auch auf den Erben übertragen. Dazu ist es notwendig, dass Sie Ihr Familienmitglied vorher erfolgreich in alle wichtigen Betriebsprozesse eingearbeitet haben. Der Nachfolger soll ausreichend Zeit bekommen, sich mit den Mitarbeitern vertraut zu machen. Ist Ihnen dies gelungen, bildet dies eine hervorragende Grundlage für die erfolgreiche Geschäftsübernahme.

Eine familieninterne Betriebsübergabe birgt jedoch auch Risiken und Gefahren, die Sie auf keinen Fall außer Acht lassen sollten.

Möglicherweise fühlt sich Ihr Nachkommen gar nicht wirklich berufen für die Betriebsübernahme und hat ganz andere Interessen. Doch durch den moralischen und finanziellen Druck könnte sich Ihr Familienmitglied dazu gezwungen fühlen, den Familienbetrieb zu übernehmen. Die Folge: Das Unternehmen wird nur halbherzig weitergeführt und Ihrem Nachfolger fehlt die Motivation das Geschäft erfolgreich voranzutreiben.

Die Abgabe des Unternehmens an ein Nachkommen birgt nicht nur unternehmerische Risiken, sondern kann auch innerhalb der Familie für mögliches Streitpotential sorgen. Gelingt es nicht, die Familie in die Überlegungen einzubeziehen, können Belastungen in den Beziehungen innerhalb der Familie ausgelöst werden. Diesen Umstand sollten Sie sich vor der familieninternen Nachfolge bewusst sein und die notwendigen Vorkehrungen rechtzeitig treffen. Sprechen Sie mit betroffenen Familienmitgliedern und sorgen Sie für Klarheit und Offenheit. So können Sie mögliche Bedenken aus dem Weg räumen und unnötige Konflikte vermeiden.

Eine weitere Gefahr der familieninternen Nachfolge ist die falsche Kompetenzabschätzung Ihres Nachkommens. Die persönliche Beziehung zu einem Familienmitglied kann die angemessene Bewertung von wichtigen Fähigkeiten beeinflussen. Die Grenze zwischen persönlichen Präferenzen und dem unternehmerischen Nutzen zu setzen, ist in diesem Fall schwierig.

Vorteile bei einer familieninternen Nachfolgeregelung

  • Vertraute und eng begleitete Unternehmensübergabe möglich
  • Spart die Suche und Qualifikation von Kaufinteressenten
  • Mitarbeiterloyalität gilt in der Regel auch den Nachkommen
  • Persönliche Zufriedenheit durch Abgabe des Lebenswerks an ein Familienmitglied

Nachteile bei einer familieninternen Nachfolgeregelung

  • Möglicherweise moralischer oder finanzieller Zwang der Unternehmensübernahme für den Verwandten
  • Potentielle Streitgrundlage innerhalb der Familie
  • Möglicherweise falsche Kompetenzabschätzung des Nachfolgers

 

Option 2: Die betriebsinterne Nachfolgeregelung – Management-Buy-Out (MBO)

Die Abgabe des Unternehmens an einen vertrauten Mitarbeiter ist eine weitere Möglichkeit für die Nachfolgeregelung. Etwa 19 % der Betriebsabgaben in der Schweiz werden auf die Weise durchgeführt. Diese Option eignet sich vor allem für Firmen, deren Erfolg auf ein umfangreiches Know-How komplexer Betriebsprozesse und auf persönliche Beziehungen mit anderen Unternehmen und Kunden basiert. Dazu gehören besonders Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche, der Beratung oder dem Gewerbe.

Die Abgabe der Geschäftsführung und des Besitzes an ein engagiertes Firmenmitglied bzw. engagierte Firmenmitglieder bringt den großen Vorteil der Kontinuität mit sich. Beim MBO wird die Führung von Personen übernommen, die bereits mit Ihrer Unternehmensphilosophie vertraut sind und den Ablauf wichtiger Betriebsprozesse kennen. Wird die betriebsinterne Nachfolge richtig angegangen, kann dadurch eine reibungslose Geschäftsübergabe ermöglicht werden.

Durch die Übertragung der Führungsrolle an einstige Mitarbeiter wird außerdem der Zusammenhalt innerhalb der Firma gestärkt und Angestellte vertrauen der neuen Geschäftsführung einfacher. Dadurch ist für eine angenehmere Atmosphäre nach der Firmenabgabe gesorgt und wichtige Betriebsprozesse können weiterhin erfolgreich ausgeführt werden.

Für viele Firmeninhaber kann die Geschäftsübergabe an loyale Mitarbeiter emotional sehr befriedigend sein. Sie stellt eine Anerkennung und Belohnung des Engagement und der Loyalität zum Unternehmen dar.

Die Übergabe der Firma an ein betriebsinternes Führungsteam hört sich zwar oft hervorragend an, ist jedoch auch mit Problemen und Herausforderungen verbunden.

Zum einen ist es der finanzielle Aspekt. Bei der firmeninternen Nachfolgeregelung ist der Verkaufserlös oftmals geringer als bei einer Lösung mit einem externen Käufer. Dazu kommt außerdem, dass sich die neue Geschäftsführung bei der Firmenübernahme stark verschulden muss. Der Kaufpreis muss anschließend durch den zukünftigen Cash-Flow des Unternehmens abbezahlt werden und kann den Betrieb dadurch belasten. Daher sollten Sie bei einem MBO darauf achten, dass die Unternehmenseinnahmen auch bei einer negativen Marktlage für die Abzahlung ausreichend sind.

Zum anderen kann die Firmenübernahme durch Mitarbeiter die neuen Führungspersonen überfordern. Der Übergang vom Mitarbeiter zum Unternehmensleiter gestaltet sich oft schwieriger als erwartet. Wichtig ist, dass Ihre Nachfolger für eine Führungsrolle im Unternehmen vorbereitet sind.

Chancen bei einer betriebsinternen Nachfolgeregelung

  • Kontinuität der Geschäftsprozesse und Unternehmensphilosophie ist gegeben
  • Übergabe durch einstige Mitarbeiter sorgt für Vertrauen und Motivation innerhalb des Unternehmens
  • Know-How über wichtige Betriebsabläufe ist bei betriebsinternen Nachfolgern bereits vorhanden
  • Emotional sehr befriedigende Nachfolgelösung durch Geschäftsabgabe an loyale & vertraute Mitarbeiter

 Nachteile bei einer betriebsinternen Nachfolgeregelung

  • Geringerer Verkaufspreis im Vergleich zur einer Lösung an einen externen Käufer
  • Hohe finanzielle Belastung für Unternehmen und Nachfolger
  • Herausforderung Übergang vom Mitarbeiter zum Geschäftsführer

 

Option 3: Der Unternehmensverkauf an eine externe Firma

Kann das Unternehmen nicht innerhalb der Familie übernommen werden oder an eine betriebsinterne Führungsperson abgegeben werden, kommt der Verkauf an Externe in Frage. In der Schweiz wählen ganze 40 % der Unternehmer diesen Weg der Nachfolgeregelung. [3]

Findet sich eine qualifizierte Führungsperson für die Betriebsübernahme, ist dies in den meisten Fällen die beste Lösung für das Unternehmen. Die Herausforderung bei dieser Art der Nachfolgeregelung ist, einen vertrauenswürdigen und geeigneten Kandidaten zufinden.

Beim Unternehmensverkauf an externe Interessenten haben Sie die Möglichkeit, das Profil für den passenden Geschäftsführer zu definieren und danach zu suchen.

Wird das Geschäft von einer erfahrenen und talentierten Führungsperson übernommen, kann dies Chancen zur Unternehmensentwicklung eröffnen, z.B. durch die Einführung neuer Produkte oder Dienstleistungen, neue Vorgehensweisen bei den Abläufen usw.

Diese Variante  bietet die Möglichkeit, das Unternehmen einem strategischen Käufer zu veräussern. Für diesen hat das Unternehmen das höchste Wertschöpfungspotential, welches sich in der Regel bei der Höhe des Verkaufserlöses widerspiegelt.  Selbstverständlich ist der Verkaufspreis der Firma nicht der einzige, entscheidende Faktor bei der Nachfolgeregelung. Trotzdem sollten Sie nach all den Jahren harter Arbeit Ihr Lebenswerk zu einem angemessenen Preis verkaufen können.

Bei einer betriebsexternen Nachfolgeregelung ergeben sich jedoch auch Herausforderungen, denen sie sich bewusst sein sollten.

Die Geschäftsübernahme durch einen fremden Nachfolger kann die Kontinuität der Betriebsprozesse belasten. Der Kundenstamm des Unternehmens kann verunsichert werden und auch die Mitarbeiter müssen zunächst das Vertrauen zu der neuen Geschäftsführung gewinnen. Zur Vermeidung von Problemen bei der Firmenübergabe sollten Sie deshalb auf jeden Fall alle notwendigen Schritte umetzen, um eine reibungslose Übergabe zu ermöglichen. Machen Sie Ihre Mitarbeiter rechtzeitig mit der zukünftigen Geschäftsleitung vertraut und unterstützen Sie den Beziehungsaufbau mit Ihrem Kundenstamm.

Im Gegensatz zur familieninternen bzw. betriebsinternen Nachfolgeregelung ist der Unternehmensverkauf ein aufwendigerer Prozess. Zuallererst müssen Sie potentielle Kandidaten finden und qualifizieren, um einen passenden Nachfolger zu finden. Dieser Vorgang kann langwierig sein und erfordert viel Geduld. Doch damit ist noch nicht alles getan: Der Käufer prüft das Unternehmen, ein Prozess der aufwändig und anspruchsvoll werden kann. Wurde der passende Nachfolger erstmal auserkoren, müssen Sie ihn auch in die laufenden Geschäftsabläufe einführen. Auch dieser Ablauf kann nochmals viel Zeit in Anspruch nehmen und ist nicht einfach zu gestalten. Aus diesen Gründen sollten Sie unbedingt genügend Zeit einplanen, um ein Unternehmen erfolgreich zu verkaufen.

Chancen bei einer betriebsexternen Nachfolgeregelung

  • Größere Auswahl der potentiellen Nachfolger
  • Hoher Verkaufspreis kann erzielt werden
  • Persönlichkeiten von aussen können Unternehmensentwicklungen und Innovationen auslösen

Nachteile bei einer betriebsexternen Nachfolgeregelung

  • Weniger Kontinuität gegeben durch die Firmenabgabe an eine fremde Geschäftsführung
  • Einführungsphase kann sich aufwendig gestalten
  • Suche des passenden Nachfolgers und der Übergang kann viel Zeit in Anspruch nehmen

 

Option 4: Die Auflösung der Firma

Für Firmeninhaber ist die Einstellung der Geschäftstätigkeit in der Regel die letzte Option. Doch in manchen Fällen ist dies die passende und sinnvollste. Eine Betriebsauflösung kann man schrittweise oder per Stichtag vornehmen. Anspruchsvoll ist dabei der Umgang mit verschiedenen Betroffenen wie Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten. Entsprechend lohnt es sich, einen Spezialisten beizuziehen, welchen einen unterstützt.

Chancen bei einer Auflösung der Firma

  • wirtschaftlich und gemessen an den Risiken die sinnvollste Lösung
  • bessere Lösung anstelle einer Fortführung des Unternehmens mit schlechten Voraussetzungen
  • Teilbereiche können für andere Unternehmen interessant sein

Nachteile bei einer Auflösung der Firma

  • Firmenauflösung ist emotional sehr schmerzhaft
  • Finanzierung der Phase der ordentlichen Betriebsauflösung
  • Mitarbeiter müssen neue Anstellung finden

 

Fazit – Was Sie unbedingt beachten sollten

Für die erfolgreiche Firmenabgabe sollten Sie ausreichend Zeit einplanen, damit Sie Ihre Wunschvorstellungen tatsächlich verwirklichen können. Jede Firma ist einzigartig und die Nachfolgeregelung muss individuell angepasst werden.

Wir können Ihnen dabei helfen, eine maßgeschneiderte Lösung für Ihre Nachfolgeregelung zu finden, welche sich am besten für Sie und Ihr Unternehmen eignet. Dabei begleiten wir sie von der Zielsetzung bis zur erfolgreichen Weiterreichung an einen passenden Kandidaten.

Andy Weber, Partner

Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Erstgespräch. Wir freuen uns auf Sie!

[1] https://www.bisnode.ch/nachfolge/

[2] https://www.bisnode.ch/globalassets/switzerland/medienmitteilungen/studie-nachfolge-kmu-schweiz-2018.pdf

[3] https://www.bisnode.ch/globalassets/switzerland/medienmitteilungen/studie-nachfolge-kmu-schweiz-2018.pdf

 

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